ohogeflüster

Sex, Moral und Liebe

Porno ist Alltag

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Robert an Michael Domas:

Zu Hofmann’s Dokumentation “9to5 – Days in Porn” gibt es nicht viel hinzu zu fügen.
Porno ist Alltag, hat den Nimbus des Verruchten verloren und ist längst in der Popkultur angekommen.

Ich finde eine Sache doch ganz interessant. Es ist von einem Multi-Milliarden Dollar Business
die Rede, alleine in und um L.A.!. Der Film gewährt Einblicke in Bereiche welche
eher eine Low-Budget-Szene vermuten lassen. Also wo sind die ganzen Milliarden, frage ich mich dabei?
Es gibt kurze Schnitte auf das Hauptgebäude von Vivid Productions, eines der größten und
erfolgreichsten Unternehmen im Pornobusiness. Doch nach Interviews und Bildern genau aus
dieser Liga wartet man vergebens. Das ist kein Kritikpunkt, vielmehr eine
Feststellung.

Es scheint so, als würde das Einkommen der Darsteller vollkommen losgelöst vom Erfolg der im
Hintergrund agierenden Produzenten stehen. Für mich ein Zeichen der Verlogenheit im Umgang
mit dieser Kultur. Die, die ihr Gesicht (Geschlecht) hin halten, gehen leer aus.

Ein offenbar schreiender Widerspruch zur Unverzichtbarkeit derer, die sie stellvertretend als Vehikel unserer Geilheit darstellen, für die
wir bereit sind Milliarden auszugeben. Pfuii.

…hatten wir das nicht schon mal bei den Gladiatoren im alten Rom?

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Lieber Robert,

was Ökonomisches betrifft, mach ich’s wie die Heuchler: erstens mir keine Gedanken drum, zweitens gebe ich’s nicht zu. Danke also für Ihre Hinweise. Ich befürchte, in der Ökonomie geht es so ab wie in der Liebe: ungerecht. Während ich’s dort jedoch für einen Skandal halte und glatt bereit wäre, an einer Demo teilzunehmen („gerechter Lohn / Chancengleichheit / Altersteilzeit für Pornodarsteller“?), scheint sie mir hier ein Trost (denn deshalb hab ja auch ich was abbekommen.) Lob also der Schöpfung und der „Unordentlichkeit“ derselben (um auf den Titel von Precht anzuspielen, von dem noch zu reden sein wird).

Mein Augenmerk galt nicht so sehr dem Pekuniären wie bestimmten Verwicklungen, die moralische Urteile vor noch strapaziösere Schwierigkeiten stellen. Die Situation ist: Erst werden die Mädchen verarscht und mit Dingen (z.b. analen usw) überrumpelt, denen sie sich, hätten sie’s vorher gewusst, nicht ausgesetzt hätten. Später sind sie froh (teils demonstrativ !) über die Erweiterung ihres Spektrums. Das führt einen in die klassischen Paradoxien der Verführung. Jon Elster unterscheidet zwischen Zwang, Verführung, Überredung und freiwilliger Entscheidung. „Zwang findet statt, wenn ein Individuum x gegenüber y vorzieht und daran festhält, selbst wenn es von jemandem (physisch) gezwungen wird, y zu tun. Verführung geschieht, wenn ein Individuum ursprünglich x gegenüber y bevorzugt, aber, nachdem es gezwungen wurde, y zu tun, y gegenüber x vorzieht. Valmonts Verführung von Cecile de Volange [in „Gefährliche Liebschaften“] ist die klassische literarische Beschreibung dieses Prozesses.“ (Ich selbst finde „Cosi fan tutte“ noch irrer.)

Im Übrigen stimme ich Ihnen zu: „Pfuii“. Wenn Sie mir nur noch den Titel „9to5“ erklären.

Bei den Gladiatoren übrigens war es noch ganz anders, das waren Sklaven oder Kriegsgefangene. Wenn sich Adlige oder gar Senatoren zu Gladiatoren machten, verloren sie damit ihre Freiheit. Trotzdem taten es erwähnenswert viele. So, wie sich reiche Römerinnen Gladiatoren als Lustobjekte hielten, selbst bei Androhung von Strafe.

Lassen Sie mich bei der Gelegenheit eine Feministin zitieren, zustimmend! Aus der neuen ZEIT: „In der feministischen Zeitschrift Emma bezeichnete die Politikwissenschaftlerin und Philosophin Regula Stämpfli die enthaarten Schamlippen im letzten Jahr als »Kindermösen«. Danach sah sie sich massiven Anfeindungen ausgesetzt.“ Die ZEIT weiß (im Wissensteil !) Gefährliches über die neue Mode zu berichten.

Schließen wir mit dem Ruf, der Anti-Heuchlern der verdächtigste ist. Pfuii !

Ihr Michael Domas

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