ohogeflüster

Sex, Moral und Liebe

Keine billige Bumsbude

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Bekränzter Robert, (gut, wenn man die Rechtschreibung beherrscht),

Sie haben vollkommen Recht, es gibt kein Thema, dem nicht dieses zu Grunde liegt, sogar Musik und Sprache sollen, nicht wenigen Evolutionstheoretikern zufolge, erfunden worden sein, um die Weiber anzulocken. Selbst ein so erlauchter Geist wie Gregory Bateson (der Entdecker des dobbelbinds) gab doch zu, dass bei wissenschaftlichen Vorträgen immer einige seiner Ganglien damit beschäftigt seien, welchen Eindruck er wohl auf sein Publikum mache. Wenn ich mich recht erinnere, hat auch Sartre dazu Einschlägiges bekannt.

Vielleicht sagt Ihnen, der Sie wohllöblich das Direkte lieben, aber Jürgen Rudloff mehr zu als Fritz Nietzsche. Rudloff ist Inhaber des “Paradise”, des größten Wellness-Bordells Europas, und hält es für einen „politisch korrekten Vorzeigebetrieb“, „ein Modell für eine neue Art von Bordell. Keine billige Bumsbude, kein verdruckster Wohnungspuff, sondern ein öffentlicher Ort der Entspannung, gesellschaftlich akzeptiert, zumindest vom Staat und den Männern. Wer sich hier Frauen mietet, soll sich wohl fühlen und kein schlechtes Gewissen haben“. In seinem „Großraumlaboratorium“  sollen mögliche Verbesserungen des gutgemeinten, aber ins Leere gelaufenen Prostitutionsgesetzes geprüft werden können. Undsoweiter, das ganze findet in der Nähe von Stuttgart statt. Ja die Schwaben. Gegen die Sex-Flatrate sind sie jetzt immerhin mit dem Nachweis von Hygieneverstößen erfolgreich gewesen. Sie hören, mein Bekränzter, ich habe mich durch eine erstaunliche Debatte geklickt, und wollte doch eigentlich nur die schöne Fundstelle zitieren: „An der Rezeption werden in einer großen Schale Äpfel angeboten. Äpfel im Bordell”, sagt Rudloff, “das ist gut. Das ist gesund. Das hat Niveau. Wegen der Bibel, der Erbsünde und so.”

Das imponiert mir.

Aber nun bin ich leider im Puff hängen geblieben und wollte doch eigentlich etwas zu Paul und Paula schreiben (nein, nicht die Plenzdorfschen, sonden die „Keenies“  aus dem ZEIT-Magazin letzter Woche.)

Ein ander Mal. Lassen Sie mich, wo wir gerade dabei sind, mit Nietszche schließen, diesmal über die Schwaben: „Alle Schwaben, die Geist haben, sind kokett. Die anderen Schwaben aber meinen noch immer, Uhland sei ein Dichter und Goethe unmoralisch gewesen.“

Die Schwaben

haben

Geist

und ein Modell-

Bordell?

Dreist!

Ach ja

Ihr Michael Domas

—————————-

Robert an Michael Domas:

Lieber Michael Domas,

das mit der Puffflatrate (drei “fff” ?) ist mir nicht entgangen. Den Behörden ging der “Erfindungsgeist” bzw. die Serviceerweiterungen des deutschen Bordellgewerbes eindeutig zu weit, so schien mir. Angeblich sind die Flatrate-Puffs ja aufgrund hygienischer Mängel (vorübergehend) geschlossen worden.

Ich meine, versetzen Sie ich in die Lage eines durchschnittlichen Freiers (ich weiß, ein leichtes für Sie), nein, ich meine eines Freier, der sich ein Flatrate-Ficken-Ticket am Eingang gekauft hat und nun davon ausgeht, die nächsten 5 Stunden ficken zu können, bis buchstäblich der Arzt kommt.

Mit dieser inneren Haltung sind doch Probleme vorprogrammiert. Wenn eine Nutte nicht will, was dann? Ich habe doch all-you-can-fuck bestellt? Der Moment wird kommen, so oder so. Ich glaube die meisten Freier denken dann, den gesamten Puff durchficken zu dürfen, von Amy – Zoey, und das bitte an einem Abend.

Wieviele Junggesellen machen sich den (Sport) Spass daraus eine Wette einzugehen, wer beim Flat-Ficken die meisten “Löcher stopft”?! Ist das nicht ne Nummer zu hart? Wen will ich mit diesem Angebot ansprechen? Die nimmersatten Dauer- und Allesdurchficker ála Assi-Toni?

Mir reicht eine Frau am Abend und ich denke den meisten anderen auch. Und wer mehr will, der kann sich auch mehr nehmen, das war noch nie ein Problem und hat immer bestens funktioniert.

Was ist die nächste Stufe dieser “Serviceerweiterungen” im Puffgewerbe? Drive-Through-Fuck? Fuck-Three-Get-One-Fuck-Extra? Fuck-Abo? Discount- oder Sales-Fuck?

Nee, nee. Alles bloß Business-Hirnfurze einer Branche die sich gerade aus dem Untergrund erhebt und versucht “normal” zu werden und sich dabei (ahnungs)schonungslos aus dem Alltag bedient.

LG, Ihr Robert

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