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Sie outen mich als … Freier
Wertester Robert,
Sie outen mich als … Freier. Dem muss ich natürlich widersprechen. Denn ich würde einer Frau gegenüber (und es könnte doch sein, dass auch Frauen den Blog lesen) niemals zugeben, jemals, außer vielleicht zu Studienzwecken, einen Puff besucht oder Zuflucht zur käuflichen Liebe gesucht zu haben. Wenn ich’s jedoch zugäbe, sagen wir anlässlich eines Diskurses ähnlich dem von Peter Hacks in „Gewisse Geheimnisse“, würde ich doch Wert darauf legen zu betonen, dass ich im Puff keinen hochkriege. Denn wo ich liebe, will ich, wenn nicht wiedergeliebt werden, so doch beeindrucken. Und was sollten mir Komplimente, die gekauft sind. (Bin ich ein Berlusconi, der sich nicht schämt, Hurenkomplimente als öffentlichen Beweis seiner gelifteten Potenz zu nutzen?) Freilich will ich nicht abstreiten, dass, wenn das ganze Gezutzele und die feinen Gesäuge, die federnden Bauchdecken und handlichen Hintern sich einem jetzt im Sommer vor Augen drängen … – will ich nicht leugnen, dass es mir ein tröstlicher Gedanke ist, das alles notfalls, sollten meine Imagination und die freie Wildbahn nicht mehr hinreichen, mir für vergleichweise wenig Geld verfügbar machen zu können.
Peter Hacks meint in der oben erwähnten Schrift (Untertitel: „Vom Nutzen und Nachteil der Pornographie“) zur Prostitution, historisch sei ein Hang der Unzucht zu den Gotteshäusern deutlich: „Es gibt eine Nähe zwischen den Plätzen, wo man betet, und denen, wo man kopuliert.“ Und an anderer Stelle, im Fortgang der Reflektion darüber, ob es denn auch in einer befreiten Gesellschaft Pornographie und Prostitution geben werde: „Ich halte nun freilich dafür, dass zwischen Hurererei um Geldes willen und Hurerei um menschlicher Güter willen genug Unterschied statthat, um für eine völlige Verschiedenheit durchzugehen. Die Hurerei der pornographischen Künstler wird zwar nie für anständig gelten, aber doch eben für etwas Höheres als nur für unanständig. Die Tempeldirnen und heiligen Strichjungen der Pornographie, von Geburt lasterhaft und durch erstklassigen Schauspielunterricht zum Fachschulabschluss [sic!] herangebildet, wie sie sein werden, ständen zugleich unter und auch über der Gesellschaft, sie wären gezeichnet und doch auch ausgezeichnet; ich sehe diese Artisten der Schamlosigkeit in der mönchischen Zugeknöpftheit ihres hohen Auftrags unter den Menschen wandeln, allen besser vertraut als der eigene Gatte und fremder als ein Engel.“
Das, geschätzter Robert, ist nun so äonen- und revolutionenweit entfernt vom „Flatrate-Puff“, wie ich’s treffender als Sie mit Ihren „Werbe“-Sprüchen nicht ausdrücken könnte.
Zu Assi-Toni’s Psycholgie der Frauen: Ja, das ist stark. Toni redet, als habe ihn ein soziobiologisches (evolutionspsychologisches) Seminar erfunden. Bevor ich mich aber zu deren Theorien verbreite (die übrigens, was ihre Aussagen zur Sexualität betrifft, kurz, knackig und brauchbar von Michael Schmidt-Salomon in seinem „Manifest des evolutionären Humanismus“ im Kapitel „Der Geist ist willig und das Fleisch ist schwach? – Warum eine naturalistische Ethik auf ‚Moral´ getrost verzichten kann“ zusammengefasst werden) – bevor ich auch auf Widersprüche in Toni’s Aussagen hinweise, die Sie so verdienst- wie wohl mühevoll transskribiert haben, schließe ich lieber mit einem Baudelaire-Zitat (aus Mon coeur mis à nu, Mein entblößtes Herz)
Das Weib ist das Gegenteil des Dandy.
Es muss demnach Abscheu erregen.
Das Weib hat Hunger und es will essen, Durst, und es will trinken.
Es ist brünstig und will gefickt werden.
Das istwas Rechtes!
Das Weib ist natürlich, das heißt abscheulich.
Und immer ist es gewöhnlich, das heißt das Gegenteil des Dandy.
Wer aber, frage ich Sie, würde heute ein Dandy sein wollen? Kaum noch jemand ein Gentleman, oder?
Michael Domas
(tjyqfeimrx – Technorati claim code)
Keine billige Bumsbude
Bekränzter Robert, (gut, wenn man die Rechtschreibung beherrscht),
Sie haben vollkommen Recht, es gibt kein Thema, dem nicht dieses zu Grunde liegt, sogar Musik und Sprache sollen, nicht wenigen Evolutionstheoretikern zufolge, erfunden worden sein, um die Weiber anzulocken. Selbst ein so erlauchter Geist wie Gregory Bateson (der Entdecker des dobbelbinds) gab doch zu, dass bei wissenschaftlichen Vorträgen immer einige seiner Ganglien damit beschäftigt seien, welchen Eindruck er wohl auf sein Publikum mache. Wenn ich mich recht erinnere, hat auch Sartre dazu Einschlägiges bekannt.
Vielleicht sagt Ihnen, der Sie wohllöblich das Direkte lieben, aber Jürgen Rudloff mehr zu als Fritz Nietzsche. Rudloff ist Inhaber des “Paradise”, des größten Wellness-Bordells Europas, und hält es für einen „politisch korrekten Vorzeigebetrieb“, „ein Modell für eine neue Art von Bordell. Keine billige Bumsbude, kein verdruckster Wohnungspuff, sondern ein öffentlicher Ort der Entspannung, gesellschaftlich akzeptiert, zumindest vom Staat und den Männern. Wer sich hier Frauen mietet, soll sich wohl fühlen und kein schlechtes Gewissen haben“. In seinem „Großraumlaboratorium“ sollen mögliche Verbesserungen des gutgemeinten, aber ins Leere gelaufenen Prostitutionsgesetzes geprüft werden können. Undsoweiter, das ganze findet in der Nähe von Stuttgart statt. Ja die Schwaben. Gegen die Sex-Flatrate sind sie jetzt immerhin mit dem Nachweis von Hygieneverstößen erfolgreich gewesen. Sie hören, mein Bekränzter, ich habe mich durch eine erstaunliche Debatte geklickt, und wollte doch eigentlich nur die schöne Fundstelle zitieren: „An der Rezeption werden in einer großen Schale Äpfel angeboten. Äpfel im Bordell”, sagt Rudloff, “das ist gut. Das ist gesund. Das hat Niveau. Wegen der Bibel, der Erbsünde und so.”
Das imponiert mir.
Aber nun bin ich leider im Puff hängen geblieben und wollte doch eigentlich etwas zu Paul und Paula schreiben (nein, nicht die Plenzdorfschen, sonden die „Keenies“ aus dem ZEIT-Magazin letzter Woche.)
Ein ander Mal. Lassen Sie mich, wo wir gerade dabei sind, mit Nietszche schließen, diesmal über die Schwaben: „Alle Schwaben, die Geist haben, sind kokett. Die anderen Schwaben aber meinen noch immer, Uhland sei ein Dichter und Goethe unmoralisch gewesen.“
Die Schwaben
haben
Geist
und ein Modell-
Bordell?
Dreist!
Ach ja
Ihr Michael Domas
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Robert an Michael Domas:
Lieber Michael Domas,
das mit der Puffflatrate (drei “fff” ?) ist mir nicht entgangen. Den Behörden ging der “Erfindungsgeist” bzw. die Serviceerweiterungen des deutschen Bordellgewerbes eindeutig zu weit, so schien mir. Angeblich sind die Flatrate-Puffs ja aufgrund hygienischer Mängel (vorübergehend) geschlossen worden.
Ich meine, versetzen Sie ich in die Lage eines durchschnittlichen Freiers (ich weiß, ein leichtes für Sie), nein, ich meine eines Freier, der sich ein Flatrate-Ficken-Ticket am Eingang gekauft hat und nun davon ausgeht, die nächsten 5 Stunden ficken zu können, bis buchstäblich der Arzt kommt.
Mit dieser inneren Haltung sind doch Probleme vorprogrammiert. Wenn eine Nutte nicht will, was dann? Ich habe doch all-you-can-fuck bestellt? Der Moment wird kommen, so oder so. Ich glaube die meisten Freier denken dann, den gesamten Puff durchficken zu dürfen, von Amy – Zoey, und das bitte an einem Abend.
Wieviele Junggesellen machen sich den (Sport) Spass daraus eine Wette einzugehen, wer beim Flat-Ficken die meisten “Löcher stopft”?! Ist das nicht ne Nummer zu hart? Wen will ich mit diesem Angebot ansprechen? Die nimmersatten Dauer- und Allesdurchficker ála Assi-Toni?
Mir reicht eine Frau am Abend und ich denke den meisten anderen auch. Und wer mehr will, der kann sich auch mehr nehmen, das war noch nie ein Problem und hat immer bestens funktioniert.
Was ist die nächste Stufe dieser “Serviceerweiterungen” im Puffgewerbe? Drive-Through-Fuck? Fuck-Three-Get-One-Fuck-Extra? Fuck-Abo? Discount- oder Sales-Fuck?
Nee, nee. Alles bloß Business-Hirnfurze einer Branche die sich gerade aus dem Untergrund erhebt und versucht “normal” zu werden und sich dabei (ahnungs)schonungslos aus dem Alltag bedient.
LG, Ihr Robert
