Artikel getaggt mit ‘Nietzsche’
Oktobernachmittage
Erlauchter Robert,
bevor Sie auf meinen letzten Brief antworten können (hat das Leben Sie mal gar wieder so dazwischen?) hier ein Fundstück aus Nietzsches „Ecce Homo“:
„Ich sage noch ein Wort für die ausgesuchtesten Ohren: was ich eigentlich von der Musik will. Dass sie heiter und tief ist wie ein Nachmittag im Oktober. Dass sie eigen, ausgelassen, zärtlich, ein kleines süßes Weib von Niedertracht und Anmut ist …“
Was immer ich über Oktobernachmittage sagen wollte, hier ist es gesagt!
(google schlägt für „ohogeflüster“ „ohrgeflüster“ vor. Wohlan!)
Ihr Michael Domas
Robert an Michael Domas:
Was hat das jetzt mit Ficken zu tun?
Edouard Stern
Michael an Robert:
Es gibt, haben wir am Falle Carradine festgestellt, eine höhere Gerechtigkeit. Wer „Gesellschaftsseiten“ (klingt das vornehm) nicht lesen will, soll sich im politischen Teil die Geschichte der Überschwemmung von New Orleans durchlesen.
Nun gut, auf Klatschkolumnisten rumhacken, bringt ungefähr soviel, wie über die allgemeine Dummheit klagen, als ließe sie sich durch Klagen beseitigen. Ohne dem „amor intellectualis zum Küchenpersonal“ (Adorno) opfern zu wollen: Lass uns noch einmal im Klatsch wühlen:
Manchmal muss der höheren Gerechtigkeit nachgeholfen werden. Wie im Fall des Edouard Sterns durch Cécile B., die sich nun auch noch vor Gericht verantworten muss. Schon grass, wie diese „aparte Französin“ (ich zitiere aus http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,629725,00.html) sich jahrelang „von ihrem Liebhaber erniedrigen“ lassen musste. Dass Stern ein Perverser war, wissen wir („an einen Stuhl gefesselt“! „Latexanzug“ !). Aber wie heimtückisch muss ein Mann sein, dem es gelingt, eine Cécile B. „über Jahre hinweg psychisch unter Druck zu setzen“ und „sie auch sexuell zum Äußersten zu treiben“ [da würde man ja gerne mehr wissen]. Immerhin war Cécile verheiratet (und konnte „im Wagen ihres Ehemannes“ zum Tatort kommen), hatte „als Künstlerin und zeitweise als Edel-Callgirl“ doch wohl einige (und internationale!) Weltkenntnis und ein “Faible für sadomasochistische Sexpraktiken“. Wie trotzdem „der Finanzier B.s ergebenes, unterwürfiges Verhalten ausgenutzt“ hat (und z.B. die devote Rolle eingenommen, in der er sich nach seinem Tode finden ließ) – die Franzosen sind wirklich Schweine.
Dem Reinen bleibt alles rein, den Schweinen wird alles Schwein (Nietzsche)
