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Sex, Moral und Liebe

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Papillomaviren, Suspender und Masochismus für Einsteiger

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Edler Robert (denn edel ist, wer sich rar macht),

man muss es wie Dostojewski halten, Zeitungen lesen:

Die ZEIT gibt einen Hinweis auf die Antwort zur Frage: Ist der weiße Mann dem Neger sexuell unterlegen? (Es gibt ewige Fragen, die nicht deshalb verschwinden, weil sie peinlich sind.)

In der Ausgabe von letzter Woche wird berichtet: „US-Mediziner haben festgestellt [dass CocaCola Schnaps enthält, nein], dass mehr weiße als schwarze Patientinnen an sexuell übertragbaren Papillomaviren litten – dies sei Folge unterschiedlicher Sexualpraktiken, Weiße hätten häufiger Oralverkehr.“

Verstehn Sie den zaunpfahldicken Wink, flinker Robert?

Noch doller liest sich die TAZ: „Der neue Kult in der Tattoo- und Piercingszene heißt Suspension – das Aufhängen der eigenen Haut an Fleischerhaken. Vorbild sind indianische Bußrituale, das Ziel ist Erlösung.“ Wer denkt da nicht an den „Mann, den sie Pferd nannten“, oder glaubt sich gar vom letzteren getreten.

„Es geht darum, seinen Körper zu erfahren. Erst muss man die Angst überwinden, dann folgt Schmerz. Durch den Stress werden die Hormone Adrenalin und Beta-Endorphin ausgeschüttet, ein Glücksgefühl entsteht. Das Ergebnis ist ein den Schmerz erlösender Zustand. Erleuchtung.“ Der Zusammenfassung sind sich die Adepten bewusst: „Erleichterung, wenn der Schmerz abnimmt.“ Ich glaube ja, dass sich mindestens die Hälfte der menschlichen Glückserfahrungen dem Prinzip verdankt: Wie schön, wenn der Schmerz nachlässt. Es ist wie bei dem alten Irrenhauswitz: Ein Besucher wundert sich, dass die Insassen sich in einer Reihe aufgestellt haben und einer nach dem anderen mit dem Kopf voran gegen die nächste Wand läuft. Tut das denn nicht weh?, fragt der Besucher einen, der mühsam zurücktaumelt, um sich wieder anzustellen. Doch, sagt der Irre, aber es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt.

Dass „die „Leute vergessen haben, wie es ist, den Körper zu fühlen“, verwundert einen im Zeitalter des Körperkults. Aber nun „durch Piercings und Suspension zu wissen: Ich bin da.“ – welch freudlosen Göttern werden hier die Fleischesopfer dargebracht. Ich habe in meinen „Plaudereien“ „Mein Geliebter“ den Freuden des Aufgehängtseins, auch der Kopfüber-Variante, einigen Raum gewidmet. Aber doch unter dem Motto: Vögeln wie die Mauersegler – im Fliegen. Und nun so was; „es gehe bei der Suspension nicht um einen sexuellen Hintergrund“, betont der Chef des „Super-fly-Teams“. Weshalb denn nicht?

Ratlos

Ihr

Michael Domas

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Lieber Michael,

die Frage “Ist der weiße Mann dem Neger sexuell unterlegen?” ist ein grober Verstoß an der “Political Correctness”, aber scheint in diesem Fall gewollt zu sein und trifft den Nagel auf dem Kopf. Auch ich lebe mit dem subjektivem Unterlegenheitsempfinden gegenüber unseren schwarzafrikanischen Mitmenschen. Kann man da überhaupt noch sachlich drüber diskutieren, ohne diese Debatte bewusst im Satireton an zustimmen, als intellektuelle Ausweichroute sozusagen?

Kann man nicht sagen: “Ja, der Schwarze hat in der Regel einen längeren Schwanz und weiß seinen Körper gekonnter zu bewegen als der gemeine weiße Mann – das zumindest belegen wissenschaftliche Studien”. Ich weiss es nicht und kann mir vorstellen, das selbst wenn solche Erkenntnisse vorliegen, kein Wissenschaftler, ohne dabei seine Reputation aufs Spiel zu setzen, dieses auch behaupten kann (darf). Analog dazu seien an dieser Stelle die Biologen genannt, die sich davor hüten, sich ernsthaft die wissenschaftliche Mühe zu machen dem Kreationistenpack das Handwerk zu legen (Entschuldigen Sie mir diesen Ausrutscher – anderes Thema).

Ein Tip von mir zum Thema “Erleichterung, wenn der Schmerz abnimmt.” als masochistischer Selbstakt.

Zögere dem Moment des Wasserlassens so weit raus, bis das der Harndrang in Dir zu einem omnipräsenten Zwang aufsteigt. Erst dann suche das stille Örtchen auf und ziele, in wohliger Vorausahnung der baldigen Erlösung, den Schlauch aufs Höllenfeuer. Jetzt kommt Stufe zwei der Übung. Peniswurzel fest zusammen drücken und innerlich “loslassen”. Das Gefühl geht durchs Knochenmarkt und erreicht seinen höchsten Erregungspunkt (spätestens dann durchfährt ein grobes Zucken meinen Körper). Wenn Du nun die Tore öffnest und dem Druck seinen freien Lauf lässt, dann kann das Wort Erleichterung eine neue Dimension erreichen.

Ja ich weiß, eher was für die Ecke “Masochismus für Einsteiger”.

So, genug gelabert.

Dein Robert

Haarige Angelegenheiten

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Robert and Michael Domas:

Also ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Schamhaarentfernung soll der letzt Schrei sein, eine Mode, ein Diktat des Jugendwahns. Die Franzosen tun es schon lange, die Muslime tun es seit dem Mittelalter. Muslime (Männer und Frauen) müssen sich nach den islamischen Reinlichkeitsregeln alle 40 Tage enthaaren, ja, auch da unten. So steht es im Koran, wer hätte das gedacht. Die zuletzt viel beschimpfte “Kindermöse” ist meiner Meinung nach nur alter Wein in neuen Schläuchen.

Dennoch frage ich mich, wie die regelmäßige Intimrasur seit den frühen Neunzigern ihren bespiellosen Siegeszug in abendländische Badezimmer antrat? Meine Antwort darauf: Der Zugang der breiten Bevölkerung zum Medium Porno.

Eine zentrale Ausprägung von Porno ist das Bild, und zwar das Bild wie der Schwanz in die Fotze gleitet bzw. das man als Betrachter mit der Nase auf selbige Szene gedrückt wird. Kann man sich ein solches Bild mit behaarten Geschlechtern vorstellen? Nein, ganz praktisch gesehen, nein. Man würde einfach weniger sehen.

Die Pornokultur hat einen entscheidenden Einfluss auf den Trend zur Intimrasur, das ist Konsens. Zudem steht die haarlose Scham für Jugend, das ist nun mal so, auch wenn eine haarlose Scham nur bei den Jüngsten unter uns naturgegeben ist. Das ist die etwas irritierende Seite des Bildes.

In meiner Generation gibt es keine Ausnahmen mehr. Rasur ist ein Muss, ohne dessen Beachtung es sexuell einsam werden kann. Ich kann das nachvollziehen und bekenne mich dazu. Ja, Porno hat mich versaut, so what!

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Lieber Robert,

sich auf Diskussionen über Haarfällungen im letzten Reservat der Natur einzulassen, ist eine haarige Angelegenheit, über Mode streitet man nicht, sondern wartet sie ab. Selbst Erich Kästners „Klassefrauen“, obwohl es ein klasse Gedicht ist, mufft inzwischen. (Na ja, 1930 ! Was werden Leute über unseren Blog in 80 Jahren sagen.): Kästners Polemik gegen die Rotfärbung der Nägel macht bewusst, wie vergeblich es ist, Einsprache gegen die Torheit zu erheben. Auch kann man immer selber als Mitläufer ertappt werden. Und man vergesse nicht, selbst das Leuchtevolk des abendländischen Geistes, die Griechen, legten allergrößten (und mitleidlosen!) Wert auf das Äußere, auf die Schale, sie waren Fetischisten der Schönheit. Deshalb kringelt es auch so anmutig um die Marmorgemächte der Männer. (Bei den Frauen nicht, gebe ich zu.)

Es ist nur eben bedauerlich, dass intime Gesten, die einem früher von einer Frau geschenkt worden sind, in diesem Falle ihre besondere (!) Nacktheit, nun von einer Modeströmung erzwungen werden, gar vom Pornokonsum angeschoben. Ich empfinde das als Enteignung. Und ganz schlecht wird mir von dem Hygienekiki, der sich hier austoben kann. Hygiene stabreimt sich nicht zufällig auf Hysterie, und wäre unser Thema nicht die Moral, lieber Robert, müssten wir gegen die um sich greifende Fimschigkeit entschieden zu Felde ziehen.

Als Enteignung empfinde ich auch den öffentlichen Gebrauch schmutziger Wörter. Sie lieben das ja, Robert, und ich liebe es an Ihnen. Aber eigentlich sollten solche dunklen Preziosen privat und mit sanfter Stimme ausgesprochen werden, dann entfalten sie, weiß man Inflation zu vermeiden, eine starke Wirkung.

Sie, Robert, trauen der Pornographie sehr viel zu und glauben gar: „Porno ist Alltag, hat den Nimbus des Verruchten verloren und ist längst in der Popkultur angekommen.“ Hätt ich nichts gegen. Nur komme ich über den Einwand meiner Frau nicht hinweg: „Möchtest du, dass deine Töchter das machen? (Pornos, Prostitution usw.)“ Und mir hilft da auch gar kein Argumentieren.

Muss Moral begründet werden können? (Mein Gott, welche Vorlage für die Philister!)

Michael Domas

Im Übrigen halte ich Schönheit für eine zwar begehrenswerte, aber doch notorisch überschätzte Ingredienz von Sex.

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